Nicht jede Form der Beteiligung führt automatisch zu Gleichstellung. Entscheidend ist die Qualität der Mitwirkung: Wenn marginalisierte Gruppen frühzeitig, kontinuierlich und mit realem Einfluss in Entscheidungsprozesse eingebunden werden, können bestehende Ungleichheiten wirksam abgebaut werden. Symbolische Anhörungen oder rein konsultative Formate reichen dafür nicht aus.
Hohe Partizipationsqualität zeigt sich u.a. durch:
Zugang zu relevanten politischen und institutionellen Räumen,
Einbindung in zentrale Phasen der Planung und Entscheidungsfindung,
Anerkennung des Erfahrungswissens als legitime Form von Expertise,
sowie verbindliche Strukturen und Ressourcen, die eine kontinuierliche Mitwirkung und Mitgestaltung sicherstellen.
Für Schwarze, afrikanische und afrodiasporische Communitys ist diese Form der Mitgestaltung entscheidend, um systemischen Rassismus zu identifizieren, anzugehen und abzubauen. Die UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft fordert deshalb ein Umdenken: Es reicht nicht, Entscheidungen im Namen magnalisierter Gruppen zu treffen – diese müssen aktiv in deren Entwicklung und Umsetzung eingebunden sein, mit klar definierten Rechten und Einflussmöglichkeiten.
Im Rahmen der UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft ist Partizipation weit mehr als ein programmatisches Ziel. Sie stellt ein zentrales politisches Instrument im Kampf gegen anti-Schwarzen Rassismus dar. Gefordert ist nicht nur der gleichberechtigte Zugang zu Bildung, Arbeit, Gesundheitsversorgung und gesellschaftlichen Ressourcen, sondern vor allem das Recht auf aktive Mitgestaltung in zentralen gesellschaftlichen Bereichen – darunter Politik, Bildung, Kultur, Medien und öffentliche Institutionen.
Dabei geht es um die konsequente Einbindung marginalisierter Perspektiven in politische und institutionelle Entscheidungsprozesse. Um rassistische Strukturen wirksam zu verändern, müssen die Stimmen rassistisch markierter Gruppen nicht nur gehört, sondern auch strukturell und dauerhaft verankert werden. Partizipation bedeutet in diesem Sinne auch, bestehende Machtverhältnisse kritisch zu hinterfragen und neue Formen von Einfluss und Verantwortung zu ermöglichen.
Die UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft fordert Staaten, Institutionen und Zivilgesellschaft daher ausdrücklich auf, strukturelle Barrieren zu identifizieren und abzubauen – als Voraussetzung für substanzielle und nachhaltige Gleichstellung.
Ein konkretes Beispiel für gelungene politische Einbindung ist das Gleichstellungsbegleitgremium in Berlin, in dem Schwarze Expert*innen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen kontinuierlich mitwirken. Das Gremium berät den Berliner Senat strategisch bei der Umsetzung der UN-Dekade und bei der Entwicklung von Maßnahmen gegen anti-Schwarzen Rassismus. Dieser Ansatz geht über symbolische Beteiligung hinaus: Er schafft verbindliche Strukturen für Mitgestaltung und Mitverantwortung.